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Pionierarbeit

Michael Stuber:
Diversity.
Das Potenzial-Prinzip:
Ressourcen aktivieren - Zusammenarbeit gestalten.
2., aktualisierte und erweiterte Auflage
Luchterhand Verlag, München 2008,
45.00 Euro, ISBN 978-3472074885

 

Von Peter Felixberger

Diversity ist in Unternehmen längst in aller Munde. Kein Wunder, denn die kulturelle Vielfalt im Wirtschaftsalltag nimmt ständig zu. In der Globalisierung hat man es mit ausländischen Mitarbeitern, Lieferanten und Kunden sowie fremden Märkten zu tun. Darüber mehr zu wissen, wird immer wichtiger für den Geschäftserfolg. Stellt sich nur die Frage, wie man dieser Diversity von Menschen begegnet. Im Grunde gibt es dafür zwei Möglichkeiten:

(1) Diversity Management verfolgt das Ziel, die Stakeholder mit all ihren Unterschieden zu berücksichtigen.
(2) Diversity Management schützt Frauen und ethnische Minderheiten und sorgt für deren Partizipation und Integration.

Variante 1 ist der Eckpfeiler in der Tätigkeit des Kölner Diversity-Beraters Michael Stuber. Er gehört zu den Besten seiner Zunft.
Variante 2 findet man überwiegend in großen Konzernen, die vor allem aus den USA stammen. Von Stuber stammt das vorliegende deutschsprachige Standardwerk zum Thema.

Darin beschreibt er ausführlich, wie Firmen diese Unterschiedlichkeit wertschätzen, gleichzeitig aber auch erfolgreich nutzen können. Hintergrund: Diversity Management reagiert ja eigentlich nur auf den grundsätzlichen Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft, vor allem auf den demografischen Wandel und den individuellen Wertewandel. Viele dieser Einzelereignisse rücken derzeit mit großer statistischer Wahrscheinlichkeit in den Mittelpunkt der Debatten. So soll 2050 bereits die Hälfte der Bevölkerung älter als 48 Jahre sein. Aus jedem Geburtenjahrgang wird künftig jeder Zweite studieren. Knapp zehnmal mehr Frauen sind heute im Vergleich zu 1970 erwerbstätig. Und nicht zu vergessen: Die ethnisch-kulturelle Vielfalt wird sich in Deutschland in den nächsten 20 Jahren verdoppeln und ungefähr jener in den USA heute entsprechen.

Im Klartext: Unternehmen müssen sich dem Wandel anpassen, was sie jedoch vielerorts nur mühsam begreifen. Zum Beispiel, was ihre Kunden betrifft. Diese sind nämlich heute viel informierter, aktiver, aber leider auch unzuverlässiger. Sie lassen sich nicht mehr in sorgfältig voneinander abgezirkelte Zielgruppen und Konsumententypen pressen. Zahlungsbereitschaft und Erwartungen potenzieller Käufer an Produkte und Services sind immer weniger durch Faktoren wie Milieuzugehörigkeit oder Alter fixiert. Der Konsument der Zukunft agiert situativ, aus sich wandelnden und überlagernden Lebenslagen und Gruppenzugehörigkeiten heraus. Kurz: Der selbstbewusste Kunde tut, was ihm gefällt. Und artikuliert Bedürfnisse, die er so schnell wechselt wie Models ihre Klamotten.

Stuber zeigt, wie schwierig sich traditionelle Unternehmen mit diesen Anpassungsprozessen tun. Sein Fazit: "Die meisten Organisationen weisen Charakteristika von Monokulturen auf und entsprechen insofern nicht den Zielsetzungen von Diversity." Es ist deshalb ein besonderer Schwerpunkt des Buches, wie Diversity konkret in Firmen umgesetzt werden kann. Von der Bestandsaufnahme bis zur Anbindung an das Kerngeschäft. Übrigens ist das alles sehr klar, verständlich und kompakt dargestellt. Und damit nicht nur alles graue Theorie bleibt, werden auch einige Unternehmen genauer vorgestellt. Von Microsoft bis Shell. Vermutlich Kunden des Autors. Sei?s drum.

Diversity Management lohnt sich

Am Ende auch nicht zu vergessen: Diversity Management zahlt sich für Unternehmen richtig aus. Stuber hat auch das näher untersucht. Das Fazit in seinem "Business Case Report" (BCR): "Die Ergebnisse unserer Metaanalyse widerlegen die teils geäußerte Kritik, Diversity Management entbehre ökonomischer Grundlagen. Dass Vielfalt einen wirtschaftlichen Nutzen bietet, zeigen viele wissenschaftliche Untersuchungen: Eine Studie von Nutek unter 14.000 schwedischen Unternehmen kommt beispielsweise zu dem Ergebnis, dass Produktivität und Reingewinn steigen, je stärker die Gleichstellung von Frauen und Männern in Unternehmen ausgeprägt ist. Eine Studie unter mehr als 270 Mitarbeitern der Ford-Werke behauptet, dass heterogene Teams komplexe Aufgaben und Probleme besser lösen. Die University of Illinois fand schließlich heraus, dass 72 Prozent der Unternehmen mit einem hohen Grad an ethnischer Vielfalt einen überdurchschnittlich hohen Marktanteil und Gewinn aufweisen."

Wir sagen: Ein sehr gutes Fachbuch, das sehr rational, ergebnisorientiert und diszipliniert argumentiert. Als Einstiegslektüre für Unternehmen, die in das Thema Diversity einsteigen wollen, überaus geeignet. Mehr allerdings auch nicht.

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