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Das Gesicht der Migration

nah & fern. Das Kulturmagazin für Migration und Partizipation.
von Loeper Literaturverlag
Angelika von Loeper
Kiefernweg 13
76149 Karlsruhe
E-Mail: info@vonLoeper.de
3-mal jährlich. Jahresabo: 12 Euro
Aktuelle Ausgabe: Heft 41, Migration und Gesundheit

 

Von Michael Gleich

Wenn eine Zeitschrift den Untertitel "Das Kulturmagazin für Migration und Partizipation" trägt, verheißt das erstmal nichts Gutes. Er klingt nach Betroffenheitsprosa, nach moralinsauren Texten, begleitet von schlecht gedruckten Fotos. Und dann die Überraschung: Alles ganz anders! nah & fern - so der Haupttitel - ist zunächst einmal eine ästhetisch aufwendig gemachte Zeitschrift. Sie besticht durch außergewöhnlich beeindruckende Fotos, insbesondere Porträts von Migranten aus aller Welt. Das ist mehr als eine schöne Verpackung, das ist Programm. Denn die großformatigen, berührenden Fotos machen auf den ersten Blick klar: Diese Menschen aus allen Weltgegenden repräsentieren einen ungeheuren Reichtum. An Geschichten, Erfahrungen, Fähigkeiten, Talenten, kulturellen Bezügen. Migration ist eben nicht ausschließlich ein Armutsthema. Es ist auch ein Thema der Fülle und Vielfalt.

Das Magazin setzt nicht auf moralische Appelle, sondern auf Faszination. Viele Menschen, die ganz in unserer Nähe leben, kommen aus der Ferne; andere, die in der Fremde leben, beeinflussen unseren Alltag hierzulande. Daraus ergeben sich spannende Themen, die Exotik des Alltags, Vernetzungen in entlegene Weltgegenden. Globalisierung, diese schnell rotierende Mischmaschine der Kulturen, ist nah und fern zugleich, schafft neue Nähe, aber auch ungewohnte Distanzen. Diese sich wandelnden Geografien vermisst das Magazin nun schon im 18. Jahrgang. Dahinter stehen die beiden Karlsruher Verleger Angelika und Dankwart von Loeper. Beide schreiben, redigieren, produzieren das Blatt. Dadurch erhält es eine sehr persönliche Prägung. Im Editorial und der Rubrik "schluss-punkt" reden die beiden Tacheles: über deutsche Leitkultur, die Weigerung, wahrzunehmen, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, die Arroganz der "Eingeborenen".

Leseprobe: "Die Zuwanderer, wenn sie denn schon kommen oder am Kommen nicht zu hindern sind, sollen gefälligst ihre Fremdheit ablegen und sich so unauffällig integrieren. ?Unsere Kultur? (was immer das sein mag) wird als einheitlicher träge dahinfließender Strom wahrgenommen, in den ein paar Seitenärmchen und Nebenflüsschen einfließen, die dann im großen Ganzen auf- und untergehen. Integration? Ein sehr einseitiges Geschäft, die Bringschuld der Migranten."

Kreative Welt

Wie entstehen heutzutage Magazine? Eine sogenannte Zielgruppe wird ausgeguckt und der werbetreibenden Wirtschaft zu Füßen gelegt; Aufgabe der Redaktion ist es dann, Inhalte zu ersinnen, die diese Zielgruppe dazu bringen könnten, das Heft zu lesen - und die Anzeigen wahrzunehmen. nah & fern scheint eine der seltenen Ausnahmen zu sein. Hier haben die Verleger ein Anliegen, sie wollen mehr Teilhabe von denen, die zu- und einwandern. Und sie leisten sich eine publizistische Plattform, es vorzubringen. Das Magazin versteht sich auch als Knotenpunkt eines Netzwerkes von Organisationen, die sich mit Migration und Menschenrechten beschäftigen. Der Mitglieder profitieren von den Inhalten sicher am meisten.

Die Fokus-Themen der Hefte sind schwergewichtig, manchmal auch schwer verdaulich: Menschenrechte, Chancengleichheit, alt werden in der Migration - keine schnelle Kost. Themen wie "Segregation in den Städten" oder "Das Zuwanderungsgesetz in Form des Richtlinienumsetzungsgesetzes" sind nicht jedermanns Sache. Viele Wissenschaftler schreiben in nah & fern, und wer weiterforschen möchte, dem helfen Literaturhinweise weiter, wie man sie aus akademischen Zeitschriften kennt. Dennoch schafft es das Blatt, auch Laien anzusprechen, denn die anspruchsvolleren Analysen werden ausbalanciert durch unterhaltsam-informative Kurzgeschichten, Portraits und Reportagen. Die Zeitschrift pflegt einen persönlichen Zugang, nimmt das Biografische in den Blick. Hier schauen einen keine Sozialfälle an, sondern Menschen aus aller Welt, die viel erlebt haben und viel mitbringen: ihre Geschichte, ihre vielfältigen kulturellen Einflüsse, ihre ganz eigene Kreativität.

Michael Gleich ist Koordinator von Culture Counts.

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