Grüne Apotheken und fair gehandelte Gene
Von Thomas Weidenbach
Pflanzen, Tiere und Mikroben liefern wertvolle Wirkstoffe für die pharmazeutische Industrie. Ursprungsländer und Verwerter genetischer Ressourcen ringen um gerechte Regeln für Patentrechte und den Transfer von Tantiemen.
Zehn Stunden lang gräbt Fritz Kamti Löcher in den sandigen Boden der Kalahari-Wüste. Tag für Tag, von März bis Juni. Eine schweißtreibende Arbeit bei 40 Grad im Schatten. Doch von Schatten ist in diesem Teil Namibias, im Nordosten des südafrikanischen Landes, weit und breit nichts zu sehen. Ungebremst brennt die Sonne auf die karge Dornbuschsavanne herunter, in die es Fritz und Mitglieder seiner Sippe zieht. Ausgerüstet mit Macheten, Spaten und Löffeln machen sie sich auf den Weg, um die Wurzeln der "Teufelskralle" (Harpagophytum procumbens) auszugraben. Was von der Pflanze über der Erde zu sehen ist, macht nicht den Eindruck, als lohnte sich die Mühe. Unscheinbar schlängeln sich dürre Zweige mit ein paar fast vertrockneten kleinen Blättern dicht über dem Boden, kaum zu unterscheiden von all den Gewächsen auf der Erde rings umher. Hie und da umfassen krallenförmige Früchte die Pflanzen, daher ihr Name.
Fritz verdankt seinen Vornamen der deutsch-kolonialen Vergangenheit Namibias. Er ist ein San ("Buschmann", wie die Europäer etwas verächtlich sagen) und Dorfältester in Vergenoeg, einem Weiler, dessen Name in keiner Karte verzeichnet ist. Schon sein Großvater hat ihm gezeigt, daß es sich lohnt, aus bis zu einem Meter Tiefe die dicken Wurzeln der Teufelskralle herauszuholen. Gurkenähnlich geformt, werden sie in dünne Scheiben geschnitten und zwei Tage lang zum Trocknen ausgebreitet. Aufgelöst in einem Tee nutzen die San die Pflanze schon seit Urzeiten, um Magen- und Gliederschmerzen zu lindern. Doch seit ein paar Jahren graben Fritz und die anderen nicht mehr nur für den Eigenbedarf. Händler aus Namibias Hauptstadt Windhoek und den Nachbarländern Botswana und Südafrika besuchen Vergenoeg, Wissenschaftler aus Deutschland und Pflanzenexperten aus Großbritannien. Die Teufelskralle macht Karriere. Aus dem Gebräu der San ist ein wertvoller Rohstoff für die Arzneimittelforschung geworden.
Ein Soldat der deutschen Kolonialtruppen hatte bereits vor dem ersten Weltkrieg von den heilenden Eigenschaften der Teufelskralle gehört und mehrfach San-Medzinmänner bei der Anwendung beobachtet. Später verkaufte er als erster die Wurzeln als "Wundermittel und Arzneischatz" nach Deutschland. In den vergangenen Jahren bestätigte eine ganze Reihe von klinischen Studien die Wirksamkeit der Teufelskrallen; negative Nebenwirkungen wurden nicht festgestellt. Seitdem hat der Handel stark zugenommen. Im Jahr 1998 exportierte Namibia 500 Tonnen getrockneter Wüstenpflanzen, Tendenz stark steigend. Sie gehen vor allem in die Europäische Union, wo der Wurzelextrakt in Pillenform gegen Rheuma eingesetzt wird. Präparate aus Teufelskrallen sind in Deutschlands Apotheken und Drogerien zu einem Renner geworden. Ähnliches könnte bald in den USA geschehen, nachdem dort vor kurzem Untersuchungen Aufsehen erregten, die cholesterinsenkende Eigenschaften nachweisen konnten.
Jules und seine Großfamilie aus Abtrotsi, Elfenbeinküste, marschieren mehrere Stunden zu Fuß, bis sie an einen Fluß gelangen, den sie nur in engen, kleinen Einbäumen überqueren können. Nach einer Stunde Flußfahrt sind sie endlich am Ziel. Im dorfeigenen Regenwald suchen sie nach den knallroten Früchten einer palmähnlichen Pflanze, die dem Unwissenden allein schon deswegen kaum auffällt, weil sie hier überall wächst. Die Einheimischen nennen sie Katemfe oder Ndebion, ihr europäischer Entdecker taufte sie "Thaumatococcus daniellii". Zehntausenden von Menschen in der Elfenbeinküste erschließt die Dschungelpflanze eine Geldquelle. Denn ihre Früchte enthalten den süßesten Stoff der Welt, 2.500 mal süßer als Zucker - und praktisch kalorienfrei.
Schon die Urahnen von Jules haben die Früchte zum Süßen ihrer Speisen und Getränke verwendet. Diese traditionelle Nutzungsform war lange vergessen. Doch in den 70er Jahren entdeckten Lebensmittelchemiker aus Europa auf der Suche nach natürlichen Ersatzstoffen für Zucker die Ndebion-Früchte wieder. Abgesandte großer Firmen ziehen seitdem durch westafrikanische Dörfer und kaufen den einheimischen Sammlern die Dschungelernte ab. Positive Nebenwirkung: Seitdem die Menschen mit den Waldfrüchten Geld machen, nehmen Brandrodung und Kahlschlag in ihren Wäldern ab.
In mehreren Schneidestationen der Elfenbeinküste werden die gesammelten Früchte von geschickten Frauenhänden geöffnet, der obere, weiße Samenteil abgetrennt und anschließend für den Weitertransport nach England tiefgefroren. Ein kurzes Lecken an den Samen genügt, und Zitronen schmecken noch Stunden später zuckersüß, Pampelmusen verlieren ihre Bitterkeit. In Europa werden die Früchte in saurem Wasser gelöst und das supersüße Protein Thaumatin herausgefiltert. Es wird in mehreren 100 Produkten - vom Fruchtsaft über Chips bis hin zu Kaffeeprodukten - eingesetzt, vor allem auf dem japanischen und nordamerikanischen Markt. Freilich nur in winzigen Dosen, denn ein Kilo Thaumatin kostet etwa 5.500 Dollar und entspricht der Süßkraft von zweieinhalb Tonnen Zucker.
Debaprasad Chattopadhyay gehört zu jenen Mikrobiologen, die tropische Urwälder auf der Suche nach bisher unbekannten Tier- und Pflanzenarten durchstöbern. Sein Auftraggeber ist ein Institut der indischen Regierung. Immer in der Hoffnung, Stoffe zu finden, die beim Kampf gegen Krebs, AIDS oder andere Geißeln der Menschheit helfen können, bedient er sich dabei des Wissens der Eingeborenen über heilende Pflanzen. Er befragt Medizinmänner, schaut in die Töpfe der Schamanen, lauscht den Erzählungen der Dorfältesten. 1993 begegnet er bei einer Expedition in die dichten Regenwälder der Andaman-Inseln vor der Ostküste Indiens dem Stamm der Onge und macht eine bemerkenswerte Entdeckung: Obwohl die Onge von Mosquitos geradezu umzingelt sind, hat keiner von ihnen Malaria. Nachdem er ihr Vertrauen gewinnen kann, führen sie ihn in eine kleine, raucherfüllte Hütte. Dort steht ein Topf mit einem bitteren Medizintrunk. Die Onge geben Chattopadhyay mehrere Exemplare der Pflanzen, die zur Zubereitung dienten.
Zurück in seinem Labor in der indischen Hafenstadt Port Blair macht er eine sensationelle Entdeckung: Zwei der Pflanzen enthalten fiebersenkende Wirkstoffe, eine dritte verringert die Anzahl der Malariaerreger in infiziertem menschlichem Blut. Bald darauf erhält er die Chance, sich von der Wirkung der Onge-Medizin am eigenen Körper zu überzeugen. Denn nach mehreren weiteren Urwaldvisiten erkrankt er selbst an Malaria. Er lutscht die Flüssigkeit aus den Pflanzenextrakten und wird in nur drei Tagen gesund. Die Malariaanfälle kehren nicht wieder. Überzeugt von der Heilkraft der Pflanzen, gewinnt er einige ortsansässige Ärzte dazu, sieben ihrer Patienten, die von der schlimmsten, mitunter tödlichen Malariaform befallen sind, mit dem Pflanzensud zu behandeln - wieder mit Erfolg.
Die Ergebnisse dieser Studien sind so vielversprechend, daß genauere Studien die Effektivität der Onge-Medizin überprüfen sollen: Eine neue Chance, zwei Millionen Menschen, die alljährlich an Malaria sterben, das Leben zu retten. Und Aussicht auf ein Medikament, das hunderte von Millionen Dollar wert sein könnte.
Auch Felipe hofft auf einen Bestseller aus den Tropen. Er gehört zu einem Team von etwa 40 Frauen und Männern, die im Auftrag des Instituto Nacional de Biodiversidad, kurz INBio, die Nationalparks von Costa Rica erkunden. Früher war er einfacher Farmarbeiter, aber da er die Gegend von Guanacaste im Nordwesten des Landes wie seine Westentasche kennt, wurde er zum "Parataxonomen" ausgebildet, zu einem Artenkundler ohne akademische Würden. Er soll die biologische Vielfalt der Region, vor allem die Insektenwelt der letzten tropischen Trockenwälder Mittelamerikas studieren und Muster sammeln. Eine Inventur der Natur, die Costa Ricas Nationalparkbehörden einen Überblick über das noch unerforschte Artenspektrum des Landes verschaffen soll. Besonderer Augenmerk gilt dem Reich der Insekten, von denen gerade mal drei Prozent wissenschaftlich bekannt sind.
Jeden Tag verbringt Felipe mehrere Stunden im Wald, um Schmetterlingsraupen zu sammeln. Deren skurriles Aussehen erfüllt ökologische Zwecke: Bunte Farben, lange Stacheln oder dichte Haare signalisieren ihren Freßfeinden unübersehbar, daß sie Gifte enthalten und besser nicht gefressen werden sollten. Gerade solche Giftstoffe gelten unter Forschern als vielversprechende Kandidaten für neue Arzneien.
Fast 1000 verschiedene Insektenarten hat Felipe bereits gesammelt. In einem kleinen Schuppen unweit der Nationalparkverwaltung von Guanacaste steckt er die Raupen in Plastiktüten voller Blätter. Darin sollen sie sich dick und fett fressen, bevor er sie in die Tiefkühltruhe steckt. Jede Tüte wird mit Angaben über Fundort und Zeit versehen, um dort jederzeit weitere Raupen finden zu können. Informationen über besondere Verhaltensweisen der Tiere, die den Forschern hilfreich sein könnten, tippt Felipe in seinen Laptop.
Extrakte aus den Raupen und die gespeicherten Daten gehen allesamt an eines der größten Pharmaunternehmen der Welt, Merck in den USA. Als erster Konzern hat Merck bereits Anfang der 90er Jahre mit INBio einen Vertrag geschlossen und bekommt regelmäßig Tausende von Proben voller Insekten- und Pflanzenmaterial aus Costa Rica. Eine Million Dollar enthält INBio dafür alle zwei Jahre als Abschlagszahlung. Aber nicht nur das: Falls es Merck gelingt, aus dem Artenreichtum der Tropen ein gewinnbringendes Medikament z.B. gegen Diabetis, Viruserkrankungen oder Krebs zu entwickeln, verzinst sich der Fund auch für INBio: Die Costaricaner werden anteilig (bis zu fünf Prozent) an den Gewinnen beteiligt. Die Tantiemen könnten, so Schätzungen des angesehenen World Resources Institute in Washington, dem Entwicklungsland eines Tages mehr Devisen einbringen als heute der Export von Kaffee oder Bananen.
Fritz, Jules, Chattopadhyay und Felipe gehören zu einer neuen, weltumspannenden Generation von Jägern und Sammlern: den Bio-Prospektoren. Sie sind die Goldschürfer des 21. Jahrhunderts. Nicht Edelmetalle, sondern das grüne Gold - die bekannten und unbekannten Wirkstoffe aus Tieren und Pflanzen - sind ihr Kapital. Daraus schlagen traditionelle Hersteller pflanzlicher Arzneimittel ebenso Profit wie die Nahrungsmittel- und Kosmetikbranche. Wichtige Abnehmer sind auch die modernen Unternehmen des "Life Sciences"-Sektors, die neben Medikamenten auch Saatgut, Pflanzenschutzmittel oder Diagnostika produzieren. Fritz, Jules, Chattopadhyay und Felipe werden es, ebenso wie einst die meisten Glücksritter zu Zeiten des kalifornischen Goldrausches, wohl kaum zu Reichtum bringen. Doch ohne ihr Wissen und ihre Arbeit wäre die Verwertung biologischer Reichtümer in großem Stil nicht denkbar.
Seit Urzeiten nutzen Menschen die Heilkräfte der Natur, zu Linderung von Schmerzen, zur Heilung von Krankheiten. Heute werden natürliche Substanzen auf zwei verschiedene Weisen verwendet. Da ist zum einen die Naturmedizin, die natürliche Stoffe chemisch unverändert nutzt; die meisten Menschen in der Dritten Welt sind auf solche Mittel angewiesen. Doch auch in den Industrieländern steigt der Verbrauch von Heilkräutern - in der Phytomedizin ebenso wie zur Herstellung von Kosmetika oder Lebensmittelzusatzstoffen. "Bio" ist in, seitdem mehr und mehr Verbraucher Produkten aus der Retorte mißtrauen. Allein in Europa werden 2.000 Heilpflanzen kommerziell genutzt. Deutschland ist mit jährlich mehr als 45.000 Tonnen Heilpflanzen eines der wichtigsten Importländer. Weltweit wurden 1994 Phytopharmaka im Wert von 5,5 Milliarden Dollar gehandelt. Ein Markt, der immer schneller wächst.
Die zweite Form der Nutzung besteht darin, daß die Forscher multinationaler Chemie- und Pharmafirmen Naturstoffe als Vorbilder zur Herstellung neuer Produkte nehmen. Computergesteuerte Techniken machen es möglich, an nur einem Tag 100.000 verschiedene Proben auf pharmakologisch interessante Stoffe zu untersuchen. Nach der erfolgreichen Aufklärung ihrer Struktur und Wirkungsweise werden diese Substanzen anschließend synthetisch nachgebaut oder mit Hilfe der modernen Bio- und Gentechnik in Zellkulturen in großem Maßstab gewonnen.
In jedem Blatt, in jeder Raupe, in jedem Baum steckt das chemische Resultat einer Jahrmillionen langen Evolution. Ein Füllhorn unbekannter Moleküle und Erbanlagen, die als Quelle neuer Wirkstoffe dienen können. Was die Raupe an Substanzen produziert, um ihre Feinde abzuschrecken, oder welche Pheromone ein Käfer nutzt, um Weibchen anzulocken: All diese Stoffe sind genetische Ressourcen, die der Beginn eines Big Business sein könnten.
Für Dr. Bennett M. Shapiro vom amerikanischen Merck-Konzern steht fest: "Unter den Naturstoffen begegnen uns revolutionäre Substanzen, die wir nie zuvor gesehen haben, die sich kein Chemiker je vorstellen konnte. Wenn wir untersuchen, was die Natur an Chemikalien hervorgebracht haben, dann liefert uns das einen Einblick in das Universum unendlich vieler chemischer Strukturen."
Man sieht es den Verpackungen oft nicht an, aber selbst Medikamente, die zum Synonym für die Möglichkeiten der Chemiker wurden, wie das Schmerzmittel Aspirin, gehen auf natürliche Wirkstoffe zurück. 25 Prozent aller verschreibungspflichtigen Medikamente, die in den USA im Handel sind, enthalten Leitsubstanzen, die in Pflanzen gefunden wurden. In Deutschland sind es sogar 50 Prozent aller gebräuchlichen Arzneimittel.
Reserpin, ein Wirkstoff gegen Bluthochdruck, stammt ursprünglich aus der Wurzel der Indischen Schlangenwurzel. Taxol, ein erfolgreiches Mittel zur Behandlung von Eierstockkrebs und Brustkrebs, wurde zunächst aus der Rinde der pazifischen Eibe isoliert, bevor es Chemiker im Labor synthetisch nachbauen konnten. Vinblastin und Vincristin gehören zu den meistverwendeten Stoffen gegen Leukämie bei Kindern. Sie wurden aus dem tropischen Madagaskarimmergrün gewonnen und bescheren dem US-amerikanischen Unternehmen Eli Lilly einen Jahresumsatz von jährlich mehr als 100 Millionen Dollar. Experten schätzen, daß dank immer ausgefeilterer Techniken und aufwendiger Suchexpeditionen der Handel mit Medikamenten auf pflanzlicher Basis weltweit schon bald einen Umfang von mehr als 500 Milliarden Dollar im Jahr haben könnte. Zwar halten skeptischere Beobachter diese Zahl für übertrieben, doch sicher ist: Das Geschäft mit der Natur boomt wie nie zuvor.
Doch ausgerechnet diejenigen Länder, in denen das vielversprechende Pflanzen- und Tiermaterial gefunden wird, profitieren davon am wenigsten. Dabei brauchen vor allem die Entwicklungsländer Geld und Techniken, für wirtschaftliche Fortschritte ebenso wie zur Finanzierung von Naturschutz.
Die Verwertung natürlicher Stoffe kann sogar auf Kosten der Umwelt gehen. Zum Beispiel in Namibia. Seitdem sich die Eigenschaften der Teufelskralle unter rheumageplagten Europäern herungesprochen haben, ist die Nachfrage nach deren Wurzeln enorm gestiegen. Doch jahrelang lief der Handel völlig unorganisiert und unkontrolliert ab. Fritz Kamti bekam umgerechnet weniger als eine Mark für die mühsame Ernte eines ganzen Tages. Die Aufkäufer kamen unregelmäßig, kein Sammler wußte, wer wann wieviel verkaufen konnte. Die Folge: In kürzester Zeit wurden die Bestände völlig übernutzt. Zwar weiß Fritz, wie man die wirkstoffreichen Wurzeln so abschneidet, daß sie wieder nachwachsen. Doch kein Käufer zahlte ihm mehr Geld, bloß weil seine Erntemethoden umweltverträglich sind. Die miserablen Rahmenbedingungen haben dazu geführt, daß die Teufelskralle in vielen Teilen Namibias inzwischen ausgerottet ist.
Kein Einzelfall: Seitdem der Heilkräuterhandel weltweit zunimmt, sind die Kräuter allerorten in der Krise. Der umweltbewußte Kunde ahnt nicht, daß die teure Kräutersalbe aus dem Beautyshop, der chemiefreie Tee aus dem Reformhaus oder die Bio-Pille aus der Apotheke für die Natur oft alles andere als gesund sind. Rund 90 Prozent der weltweit gehandelten Heilkräuterarten stammen nämlich nicht aus angebauten Kulturen, sondern aus unkontrollierten Wildsammlungen. Ob Arnika, gelber Enzian, Thymian, Oregano oder griechischer Bergtee - viele der wohlbekannten Ausgangsprodukte werden in großem Stil ausgerissen, ausgegraben und abgehackt. Allein in Europa, vor allem in Ost- und Südeuropa, sind mindestens 150 Pflanzenarten, die heilende, kosmetische oder aromatische Wirkung haben, in ihrem Bestand bedroht.
Zwar stammen einige Verkaufsschlager wie Pfefferminze und Kamille vollständig aus dem Anbau. Andere wie das Johanniskraut, das durch seine Linderung von leichten Depressionen für Furore sorgt, werden neuerdings zumindest teilweise angebaut. "Doch die meisten Heilpflanzen stammen aus Wildsammlungen", so die Biologin Dr. Dagmar Lange, die im Auftrag der Umweltstiftung WWF und des Bonner Bundesamtes für Naturschutz den Heilkräuterhandel beobachtet. "Sie können entweder noch nicht kultiviert werden, enthalten in der Wildform angeblich oder tatsächlich bessere Wirkstoffe oder sind ganz einfach billiger zu sammeln." Hauptsächlich stammen sie aus China, Indien, Ägypten, Chile, Pakistan, Mexiko, Marokko, Bulgarien und Polen.
Billige Arbeitslöhne für Sammler in Osteuropa oder der Dritten Welt verleiten dazu, sich hemmungslos in der Wildnis zu bedienen. Doch Züchtung und Anbau sind nicht die einzige Lösung gegen die Übernutzung wild lebender Pflanzen. Denn nicht jedes Sammeln ist ökologisch verwerflich. Richtig geschnitten, nur teilweise entrindet oder so ausgegraben, daß die Hauptwurzeln noch im Boden verbleiben, können sich Pflanzen durchaus regenerieren. Dr. Uwe Schippmann vom Bundesamt für Naturschutz plädiert daher für eine kontrollierte Wildsammlung: "Die damit verbundenen Einnahmen könnten für ganze Regionen ein wirtschaftlicher Anreiz sein, um den Lebensraum der Heilpflanzen zu erhalten."
Genau da setzen hellhörig gewordene Händler von Pflanzenmaterial und besorgte Pharmaunternehmen in Namibia an. Um auch in Zukunft genügend Teufelskrallen verarbeiten zu können, kaufen einige Firmen inzwischen nur noch Material aus umweltverträglichen Sammlungen und sind bereit, dafür mehr zu bezahlen. Mit Hilfe von Biologen wurde in Fritz? Heimat nahe der Grenze zu Botswana ermittelt, wieviele Pflanzen dort vorkommen und welche Mengen entnommen werden können, ohne die Bestände zu gefährden. Jeder Sammler darf nur noch eine vorher festgelegte Höchstmenge der Wurzeln ausgraben. Schonende Entnahmen stellen sicher, daß sich die Pflanzen innerhalb eines Jahres wieder erholen. Vor allem aber wurde dafür gesorgt, daß Fritz und die anderen seines Dorfes wesentlich besser bezahlt werden als früher - sie bekommen jetzt mehr als das Zehnfache - und sich auf die regelmäßige Wiederkehr der Aufkäufer verlassen können. Niemand in Vergenoeg hat mehr ein Interesse an der kurzsichtigen Ausbeutung der Natur.
Doch die schöne Story von der Pflanze, die Patienten, Einheimischen und der Natur gleichermaßen nützt, ist leider ein Sonderfall. Jules und die Menschen aus Abrotsi an der Elfenbeiküste haben weniger gute Aussichten. Genforschern ist es gelungen, die Erbanlagen, die den Supersüßstoff in der westafrikanischen Pflanze herstellen, zu isolieren und in andere Organismen zu übertragen. Demnächst sollen manipulierte Tomaten und Kopfsalat in ihren Früchten und Blättern das süße Thaumatin produzieren. Nicht in der Elfenbeinküste, sondern in modernen Gewächshäusern in den USA oder Europa. Das entsprechende Know-How haben sich die Wissenschaftler bereits patentieren lassen.
Was in der Natur frei verfügbar ist, wird durch das Patent zum Privateigentum. Die geschäftstüchtigen Molekularbiologen von der Universität in Kalifornien und einer kleinen Genfirma werden zu Eigentümern aller gentechnisch veränderten Pflanzen, denen das Süßstoff-Gen einverleibt wird. Konsequenz: Sollte der Süßstoff aus der Retorte billiger sein, würden die roten Früchte aus Westafrika überflüssig. Die Gen-Pflanzen im Norden würden die Natur im Süden ersetzen, und die Patentinhaber kassierten zu Lasten der Menschen in Westafrika.
Um diese "genetische Piraterie", unter der einige Entwicklungsländer zu leiden haben, zu unterbinden, hat sich der indische Mikrobiologe Debaprasad Chattopadhyay zu einem radikalen Schritt entschlossen. Denn auch seine Entdeckung eines möglichen neuen Mittels gegen Malaria endet nicht mit einem Happy End. Zwar träumte er bereits von Reichtum und Ruhm, den er mit dem Stamm der Onge teilen wollte. Weniger als 100 Stammesmitglieder haben in der Wildnis überlebt und ihr Lebensraum wird immer kleiner. Um ihnen für die Zukunft ein sicheres Einkommen zu sichern, wollte Chattopadhyay die Eingeborenen an den Einkünften des Wundermittels beteiligen - schließlich hätte er ohne ihr botanisches Wissen niemals die Anti-Malaria-Pflanzen entdeckt.
Doch zurückgekehrt an das regierungseigene Institut, an dem er arbeitet, stellte er fest, daß ein Vorgesetzter bereits plante, ein Patent für das Malariamittel zu beantragen. Freilich ohne daran zu denken, die Onge in irgendeiner Form daran zu beteiligen. Aufgefordert, die Namen der Pflanzen für die Patentanmeldung preiszugeben, weigerte sich Chattopadhyay, das Geheimnis zu lüften. Um, wie er sagte, die Ausbeutung des Stammes und die persönliche Bereicherung seiner Institutsoberen zu verhindern.
Seitdem verbieten ihm die Behörden weitere Besuche bei den Onge ebenso wie die Durchführung weiterer Tests. Auf der Strecke bleiben nicht nur die Karriere eines indischen Biologen, sondern auch mögliche Einkünfte der Onge und vor allem die Aussicht auf ein wirksames Mittel im Kampf gegen Malaria.
Dabei dürfen solche Konflikte um die Nutzung biologischer Reichtümer eigentlich gar nicht mehr entstehen. Denn im Völkerrecht sind solche Situationen bereits geregelt. Auf der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 im brasilianischen Rio de Janeiro hatten sich die Staaten auf eine "Konvention zur biologischen Vielfalt" geeinigt. Seit Dezember 1993 ist sie in Kraft. Darin verpflichtet sich die Staatengemeinschaft zu drei ehrgeizigen und voneinander abhängigen Zielen:
> Die Vielfalt der Natur - die Vielzahl ihrer Arten ebenso wie die darin enthaltenen Erbanlagen sowie die Ökosysteme, in denen sie vorkommen - soll geschützt werden.
> Ihre Nutzung soll nachhaltig erfolgen, also umweltverträglich und auf Dauer möglich sein.
> Die Herkunftsländer der genetischen Ressourcen sollen "fair und gerecht" an den Gewinnen aus ihrer Nutzung beteiligt werden.
Im Prinzip hat die Konvention den Staaten, die über einen großen Artenreichtum verfügen, also vor allem Entwicklungsländern in den tropischen Zonen, eine neue Macht verliehen. Sie haben etwas, das Unternehmen und Verbraucher aus den Industriestaaten immer stärker begehren, das aber fortan allein unter ihre Souveränität fällt. Vorbei ist die Zeit, als alle Lebewesen gleichermaßen als "Erbe der Menschheit" angesehen wurden - mit der paradoxen Folge, daß vor allem wohlhabende und technologisch überlegene Unternehmen an der Ausbeutung des Artenreichtums verdienten. Nun müssen auch die Herkunftsländer ihren Teil abbekommen. Dafür verpflichten sie sich, nicht nur ihre Naturschätze zu schützen, sondern auch zugänglich zu halten. Auch die Patentierung genetischer Ressourcen bleibt ausdrücklich im Rahmen der international gültigen Übereinkommen möglich.
Doch die Konflikte stecken im Detail: Wie die Ursprungsländer an den Gewinnen beteiligt werden sollen, ob in Form von Technologietransfer oder in barer Münze, ist nicht geregelt. Auch nicht, wer im einzelnen davon profitiert. Ausführungsbestimmungen werden diskutiert, mehr aber bislang noch nicht. Gerade über das "wie" herrscht heftiger Streit. Artenreiche Entwicklungsländer drohen damit, ihre Grenzen zu schliessen und ausländischen Wissenschaftlern die Einreise zu verbieten, so lange nicht eindeutig geregelt ist, wieviel Geld sie für die Nutzung ihrer Tier- und Pflanzenwelt bekommen.
Firmen aus den Industriestaaten wollen sich hingegen nicht auf verbindliche Gegenleistungen festlegen lassen, weil niemand weiß, wieviel Geld mit den Naturstoffen überhaupt zu verdienen ist. Strittig ist auch die Frage des "geistigen Eigentums". Indien etwa sieht in der Patentierung von Produkten aus heimischen Pflanzen und Tieren eine Enteignung seiner Ressourcen. Europäische und US-amerikanische Konzerne wollen jedoch keinesfalls auf Patenrechte verzichten, die ihnen das alleinige Nutzungsrecht an Produkten garantieren, die sie für teures Geld entwickelt haben. Der US-amerikanische Senat hat es bis heute abgelehnt, die Konvention zu ratifizieren, um mögliche Nachteile fuer die eigene Industrie auszuschließen.
Doch auch ohne klare Vorgaben gibt es Modelle erfolgreicher Kooperationen, von denen alle Beteiligten etwas haben. Das berühmteste und am längsten funktionierende ist das von INBio im mittelamerikanischen Costa Rica, für das auch Felipe arbeitet. Das private, gemeinnützige Institut hat sich einen Namen gemacht, weil es die schätzungsweise 500.000 Spezies des Landes systematisch erfassen und das Artenpotential nutzbar machen will, ohne es zu zerstören. Extrakte aus Blättern oder Insekten werden zur weiteren Untersuchung an Firmen verkauft, die daraus Medikamente oder Pflanzenschutzmittel herstellen wollen. Werden sie fündig, dürfen sie das Endprodukt patentieren. Im Gegenzug verpflichten sich die Vertragspartner, INBio an den Erlösen zu beteiligen. Ein Geschäft, das für die Zukunft Milliarden in Aussicht stellt. INBio seinerseits hat vertraglich gegenüber den Naturschutzbehörden des Landes zugesichert, die Hälfte seiner Umsatzbeteiligungen an die Nationalparks Costa Ricas abzuführen. Der Rest fließt in die eigene Forschungsarbeit. Langfristig will das Institut aber nicht nur den Laufburschen spielen, sondern selbst in der Pharmaforschung aktiv werden. Mitarbeiter - so regelt es der Vertrag mit Merck - werden in den USA ausgebildet, Laborausrüstungen nach Costa Rica geschafft. Es ist wesentlich lukrativer, Proben zu verkaufen, von denen man weiß, daß aktive Substanzen in ihnen stecken oder deren chemische Strukturen man bereits kennt, als bloß Rohmaterial zu liefern.
Auch andernorts gibt es vielversprechende Projekte. Die kalifornische Firma Shaman Pharmaceuticals arbeitet im Amazonasgebiet von Ecuador mit den Medizinmännern von Indianerstämmen zusammen, denen die firmeneigene Stiftung im Gegenzug beim Bau von Schulen oder bei der medizinischen Versorgung hilft. Boehringer Ingelheim fahndet im Blut der Bewohner von Tristan da Cunha, einer kleinen Insel im Südatlantik, nach dem genetischen Schlüssel zur Behandlung von Asthma. Sollte das gelingen, werden die asthmakranken Insulaner fuer alle Zeiten kostenlos mit den Anti-Asthmamitteln versorgt werden.
Professor Gerhard Seibert, Leiter der Wirkstoffsuche bei Hoechst Marion Roussel, spricht von einem "hohen Potential" medizinisch wertvoller Wirkstoffe im Regenwald. Allerdings hält er die Erwartungen, daß von nun an Milliarden von Dollar von Nord nach Süden fließen, für übertrieben: "Vor allem die Tropenländer haben wohl die möglichen Gewinne überschätzt." Schließlich sei es ein mühsames, kostspieliges und zeitraubendes Unterfangen, unter zehntausenden Proben eine pharmazeutisch verwertbare Substanz zu finden. Und ob das daraus entwickelte Medikament zum Verkaufsknüller werde, sei kaum abschätzbar.
Hoechst Marion Roussel läßt in Gabun, im "Foret des Abeilles", nach pharmazeutisch interessanten Substanzen suchen. Partner vor Ort ist die internationale Naturschutzorganisation Pro Natura. In 25 Tropenländern aktiv, strebt Pro Natura an, vor allem die sozialen Aspekte der Konvention über biologische Vielfalt umzusetzten, wonach Gewinne aus der Nutzung natürlicher Ressourcen fair zwischen dem Ursprungsland und dem industriellen Verwerter zu teilen sind. Der Erlös aus dem Verkauf von Proben und aus Tantiemen fließt in den Fond "Biodivalor" (ein Kunstwort, das "Biodiversität" mit "Wert" verbindet). Mit den Geldern aus diesem Fond, 1998 gegründet, werden Schutzprojekte in Gabun gefördert. Ziel ist dabei, Regenwälder nachhaltig zu bewirtschaften und die örtliche Bevölkerung zu beteiligen. Eines der vielen Gesichter, die faire Kooperationen haben können.
Doch obwohl das Beispiel von INBio als Vorbild in Sachen Bioprospektion gilt, taugt es wenig als Modell. In Costa Rica sind die Rahmenbedingungen besonders günstig. Auch Kenia, Mexiko und Indonesien hatten Ähnliches vor, doch die Projekte scheiterten an widrigen Verhältnissen. Costa Rica dagegen ist ein friedliches Land, das schon vor Jahrzehnten auf eine eigene Armee verzichtet hat. Der Bildungsstand ist hoch, Korruption selten und Naturschutz hat in dem Land auch bereits vor INBio einen hohen Stellenwert gehabt. Etwa ein Viertel der Landesfläche steht unter Schutz. Außerdem ist unstrittig, wer von den Umsatzbeteiligungen profitiert. In Costa Rica gibt es keine indigenen Völker, deren Wissen sich INBio angeeignen könnte. Mithin stellt sich nicht, wie anderswo, die schwierige Frage, wer in einem Indianerstamm, der die Forscher auf Pflanzen aufmerksam machte, an möglichen Geldeinnahmen beteiligt werden sollte: der Häuptling, der Medizinmann, der ganze Stamm? Sollten in diesem Fall staatliche Institutionen völlig leer ausgehen, was ist mit den Naturschutzbehörden? Was mit den einheimischen Wissenschaftlern, die unter Geldmangel leiden?
INBio ist vor allem ein Beweis für den außergewöhnlichen Erfolgskurs Costa Ricas. Wo jedoch die Natur hemmungslos zerstört wird, wo keine wissenschaftlichen Ansprechpartner existieren, wo Besitzverhältnisse ungeklärt sind, dort harmonieren Naturstoffsuche und Naturschutz weit seltener.
Auch haben manche Politiker und Umweltschützer völlig unrealistische Erwartungen, was die finanziellen Beteiligungen angeht. Denn auch wenn moderne Techniken Naturstoffe in rasender Geschwindigkeit nach Verwertbarem durchleuchten, so gleicht die Arzneimittelforschung dennoch der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Nur eine von 10.000 Proben, so die Faustregel, enthält einen Stoff, aus dem später ein verwertbares Produkt entsteht. Denn es gilt nicht nur eine Substanz zu finden, die wirkt, sondern die auch keine unerwünschten Nebenwirkungen verursacht. Von 1960 bis 1981 untersuchte das Nationale Krebsforschungsinstitut der USA rund 30.000 verschiedene Pflanzen, die etwa 114.000 Substanzen enthalten, um neue Kandidaten für die Tumorbehandlung zu finden. Doch nur fünf Substanzen schafften es bis in die letzten klinischen Tests, nur eine wurde bislang als Arzneimittel zugelassen: Taxol - eines der vielversprechendsten Mittel gegen Eierstock- und Brustkrebs. Mehr als 20 Jahre hat es gedauert, bis es der Wirkstoff aus der Eibenrinde in die Regale der Apotheken schaffte.
Trotzdem setzen viele Forscher auf Naturstoffe. Seit kurzem konzentrieren sie sich auf eine neue Fundgrube: das Meer. Aufgrund ihrer hohen Artenvielfalt werden Korallenriffe auch als "Regenwälder des Ozeans" bezeichnet; dort finden sich zahlreiche Organismen, die für die Pharmaforscher von Interesse sind:
> Moostierchen sind millimetergroße, zu den Schwämmen zählende Organismen. In ihnen konnte der Stoff "Bryostatin 1" isoliert werden, der als Hoffnung im Kampf gegen Krebs gilt. Er hemmt das Wachstum von Leukämiezellen und aktiviert die Killerzellen des Immunsystems. Derzeit wird klinisch erprobt.
> Der australische Schwamm Cymbastela hooperi enthält eine Reihe von Wirkstoffen, die Malariaerreger abtöten. Allerdings produzieren die Schwämme die medizinisch wirksamen Substanzen in so geringen Mengen, daß eine Gewinnung nur aus gezüchteten Kulturen in Frage kommt.
> Algen, etwa die Seetang-Arten Kombu und Nori, enthalten sulfatierte Polysaccharide, die Infektionen wie Grippe und Herpes vorbeugen. Außerdem führen Wissenschaftler die geringe Brustkrebsrate bei Japanerinnen auf deren hohen Verzehr von Seetang zurück.
Naturstoffsuche ist an Korallenriffen besonders aussichtsreich, denn deren dichte Besiedlung erzeugt einen großen Druck auf die Bewohner, sich im Überlebenskampf zu behaupten. Oft wird er mit chemischen Waffen ausgefochten, einem Wettrüsten von Giften und Gegengiften. Insbesondere amerikanische und japanische Forscher untersuchen solche Substanzen auf ihren Nutzwert für die menschlichen Gesundheit.
Das Schürfen nach dem grünen Gold könnte für jeden Beteiligten einen Gewinn bedeuten - bei fairem Verfahren. Fritz aus Namibia könnte sich mit etwas mehr Geld für seine Teufelskrallen endlich ein paar eigene Ziegen leisten und das Schulgeld für seine Kinder. Jules aus Abrotsi dürfte weiter seine süßen Früchte sammeln und käme nicht auf die Idee, den Dorfwald aus Mangel an anderen Einkommensquellen kahl zu schlagen und abzubrennen. Chattopadhyay ließ man alles unternehmen, um die Suche nach dem so nötigen Malariamittel voranzutreiben, das die Onge berühmt und vielleicht auch reich machen würde. Und Felipe könnte weiterhin den Besuchern der Nationalparks in Costa Rica eine wunderbare Geschichte erzählen. Sie handelt von den Regenwäldern, die nicht nur wegen ihrer Schönheit geschützt werden müssen, sondern auch, weil die Dschungel-Rezepturen Millionen kranker Menschen helfen könnten.







