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Interviewmarathon 2009 "Was ist deutsch?"

Die Bundesrepublik wird 60. Ein Culture Counts Interviewmarathon erforscht schwierige Nationalgefühle und verborgene Vielfalt. 

Am 1. und 2. Mai wurden in Berlin innerhalb von 24 Stunden 24 bekannten und kompetenten Persönlichkeiten die Frage gestellt: "Was ist deutsch?" Hintergrund ist der 60. Geburtstag der Bundesrepublik, außerdem jährt sich 2009 der Mauerfall zum zwanzigsten Mal. Ist die Republik erwachsen geworden - oder eher "60 und kein bisschen weise"? Auferstanden aus Ruinen, aufgekrempelte Ärmel im Wirtschaftswunder, Frontstaat im Kalten Krieg, wiedervereinigt mit vielen Zweifeln, gut in der Vergangenheitsbewältigung, aber schwach in Sachen Zuversicht? Gibt es "deutsch" vielleicht gar nicht, alles Klischees, und unsere Gesellschaft ist längst viel bunter und vielfältiger, als wir denken? Solche Fragen bilden den Hintergrund des jetzt schon vielbeachteten Ereignisses in Berlin.

Startschuss am 1. Mai um 12 Uhr mittags, in einem gläsernen Kubus des "Radialsystems", direkt an der Spree. Dr. Hajo Schumacher und Michael Gleich beginnen den Interviewmarathon. Bis zum Mittag des folgenden Tages moderiert das Gespann ohne Pause. Seine bisherige Biografie bereitet Schumacher ideal auf diese Herausforderung vor: Der 44jährige hat über die Machtstrategien von Angela Merkel promoviert, war leitender Redakteur beim Spiegel, Chefredakteur von Max und ist heute Herausgeber der Medienzeitschrift V.i.S.d.P.. Er moderiert unter anderem die Sendung "Typisch deutsch" für Deutsche Welle TV.

Der zweite Moderator, Michael Gleich, hat bereits einmal - bei "Was ist fremd?" - 24 Interviews hintereinander geführt. Er sagt: "Das ist eine absolute Grenzerfahrung. Man kommt irgendwann in einen Flow, der eine ganz besondere Atmosphäre in die Gespräche bringt. Besonders auch bei den nächtlichen Interviews."

Culture Counts beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit kultureller Vielfalt und untersucht Wege, wie Gesellschaften konstruktiv mit Verschiedenartigkeit umgehen. Das wird auch bei den Gesprächen in Berlin Thema sein. Das zeigt sich schon beim bunt gemischten Aufgebot der Interviewgäste, u.a.

Bundestagspräsident Norbert Lammert, seit 29 Jahren Mitglied des Parlaments, eröffnet den Interviewmarathon als erster Gast;
Wibke Bruhns, ab 1971 die erste deutsche Nachrichtensprecherin des ZDF und vielfach ausgezeichnete Journalistin;
Jürgen Fliege, Pfarrer und Talkshowmaster, der mit seiner einfühlsamen Art der Gesprächsführung im Fernsehen angenehm auffällt und für den Spiritualität kein Fremdwort ist;
Marianne Birthler, ehemals Menschenrechtlerin in der DDR, heute Politiker bei Bündnis 90/Die Grünen und Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes;
Benjamin von Stuckrad-Barre, Journalist und prominentester deutscher "Popliterat";
Thomas Reiter, der als Astronaut Deutschland von sehr weit oben betrachtet und dabei neue Einsichten über "Heimat" gewonnen hat;
Oona Horx-Strathern, Trendberaterin und Zukunftsforscherin, die A Brief History of the Future schrieb;
Martin Sonneborn, kreativer Kopf des Satiremagazins Titanic, bekannt für satirische Aktionen (Kuckucksuhren für Fußballfunktionäre...);
Sung-Hyung Cho, südkoreanische Regisseurin, die für ihren Dokumentarfilm Full Metal Village mit dem Max-Ophüls-Preis ausgezeichnet wurde;
Wolfgang Schmidbauer, bekanntester deutscher Psychoanlytiker, mit zahlreichen Büchern über Ängste, Paarbeziehungen und Konsumgelüste;
Sebastian Turner, Werbe-Guru und Urheber des Slogans "Wir können alles - außer Hochdeutsch";
Hans Narva, Musiker, Nostalgiker, Kapitalismus-Verweigerer, der in der DDR mit 14 Jahren wegen Aufrufs zur Meuterei eingesperrt wurde;
Zafer Senoçak, in Ankara geborener Schriftsteller zu Themen wie Orient-Okzident und interkulturellen Fragen;
Eric T. Hansen, US-Amerikaner, Mormone, Humorist, Journalist, Buchautor, Selbstdarsteller;
Ramazan Salman, Medizinsoziologe und ?Social Entrepreneur 2008?, der gut integrierte Migranten zu Mediatoren ausbildet;
Heiner Wember
, promovierter Historiker, arbeitet für das populäre Hörfunkmagazin "Zeitzeichen" des WDR;

Die Interviews verknüpfe biografische Stationen der Gäste mit deutschen Momenten und gehen der Frage nach, wie vielfältig, kulturell globalisiert und tolerant dieser Staat zu seinem 60. Geburtstag dasteht. Auf diese Weise knüpft Culture Counts an die Veranstaltung "Was ist fremd?" vor zwei Jahren an. Im Gespräch loteten damals 24 prominente und kompetente Persönlichkeiten die Dimensionen des Fremden aus - in ihrem eigenen Leben. Unter anderen antworteten der Philosoph Julian Nida-Rümelin, der Zirkusmanager André Sarrasani, der Fernsehautor Gerd Ruge, die Band Culcha Candela, der Oscar-Preisträger Pepe Danquart, die türkische Menschenrechtlerin Seyran Ates und der Schriftsteller Ilija Trojanow.

"Was ist fremd?" hatte ein gewaltiges Medienecho. Der Fernsehsender Phoenix strahlte eine "Lange Culture Counts Nacht der Kulturen" aus, zehn der besten Interviews erschienen als Serie in der Frankfurter Rundschau, der Berliner Tagesspiegel berichtete breit vorher und nachher, das "Nachtstudio" von Bayern2 brachte ein einstündiges Hörfunk-Feature über die Aktion.

Mit einem Netzwerk von Partnern aus allen Medienbereichen will Culture Counts an diesen Erfolg anknüpfen. Die Frankfurter Rundschau ist dabei, der Westdeutsche Rundfunk, die Agentur Zeitenspiegel (Stuttgart) und das Online-Magazin changeX. Goethe Institute an verschiedenen Orten der Welt - dabei sind unter anderem Abidjan und Trivandrum (Indien) - werden Public Viewings organisieren, mit einem besonderen Clou: Per E-Mail und Twitter können Zuschauer von dort aus Fragen live in die Sendung spielen.

Ort:
Radialsystem - New Space for the Arts, Berlin
www.radialsystem.de/rebrush/index.php

Datum:
1. Mai 12 Uhr - 2. Mai 12 Uhr

www.interviewmarathon.de

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