Hier bleiben, Ärmel hoch, loslegen!
Von Peter Felixberger
Deutschland überlebt nur, wenn es die Grenzen für Ausländer und Zuwanderer öffnet. Das Wohlstandsspiel beginnt gerade wieder von vorne!
Wer erinnert sich an Tacitus? Der römische Geschichtsschreiber war der erste Intellektuelle, der sich abfällig über Deutschland geäußert hat. Sein Urteil über Germanien von vor 2.000 Jahren war niederschmetternd: "Mit seinen Wäldern macht es einen schaurigen, mit seinen Sümpfen einen widerwärtigen Eindruck." Nun, Tacitus war nur ein eingebildeter Römer und die Germanen mehr als ein Haufen wilder Sumpfhühner. Denn sie trugen bereits das Gen des Exportweltmeisters in sich. So verkauften sie den Römern listigerweise Pelze, Horn, Schinken aus Westfalen und Bernstein. Und kassierten im Gegenzug dafür modische Textilerzeugnisse, Südfrüchte, Gewürze und Schmuckgegenstände. Kein Wunder, dass wir im Laufe der Jahrhunderte eine Kulturnation wurden.
Und als wir schließlich 1.800 Jahre später eine solche waren und die Goethes und Schillers ein Buch und ein Theaterstück nach dem anderen raushauten, schmeichelte uns gar eine Französin, noch dazu die Tochter des zu seiner Zeit reichsten Bankiers in Europa. Germaine de Staël schrieb im Anschluss an eine Deutschlandreise die bewegten Worte, die heute noch am nationalen Firmament prangen: "Deutschland, das Land der Dichter und Denker." Vom Sumpfhuhn zum Denker - wenn das keine Erfolgsgeschichte ist!
Heute regieren Merkel, Beck und Huber das Land. Erfolg ist längst ein Fremdwort, Dichter und Denker haben sich verschanzt und der Schinken aus Westfalen stammt überwiegend aus trostloser Massentierhaltung. Früher ist vorbei. Gegenwartsdiagnosen versinken in schaurigen und widerwärtigen Beschreibungen: Deutschland stirbt! Es will keine Kinder mehr, wird immer älter, produziert zunehmend prekäre Lebensbedingungen und lebt auf Kosten der kommenden Generationen. Und es schrumpft: Würden wir so weitermachen wie jetzt, gäbe es im Jahr 2100 noch knapp 25 Millionen Deutsche.
Und die würden überwiegend auf dem Land fernab der Städte wohnen. In den urbanen Zentren lebten zu knapp zwei Dritteln die aktiven Zuwanderer aus dem Ausland. Zum Glück, denn sie hielten den nationalen Wohlstand mit aufrecht und würden für den notwendigen deutsch-internationalen Nachwuchs sorgen. Mit der Folge: Kosmopolitische Lebensentwürfe würden mehr und die rechten Dünnbrettbohrer sich daher schmollender- und haufenweise nach Dumpfistan oder in die Tumbachei absetzen. Denn auf Ausländer setzen, die in den Rettungsbooten frei werdende deutsche Stellen einnehmen, das würde den Rechten die Zornesröte ins Gesicht treiben und sie scharenweise zur Fahnenflucht anstiften.
Hätte, würde, könnte - das sind Szenarien im Konjunktiv. Die Weichen werden heute gestellt. Womit wir an der entscheidenden Weggabelung angekommen sind: Deutschland überlebt nur, wenn es die Tore für möglichst gut gebildete, aber auch lernbereite und aufstiegsmotivierte Ausländer, Zuwanderer und Migranten weiter öffnet. Denn die sind jung und kinderfreundlich, wollen ihre prekären Lebensbedingungen hinter sich lassen und den kommenden Generationen mindestens die gleichen Ausgangsbedingungen vererben, die sie selbst vorgefunden haben.
Es sind Menschen, die sich nicht satt, müde und im Alltag bleischwer fühlen, sondern die hungrig, wach und belastbar sind. Menschen, die von unten nach oben wollen. Und die damit ein Mitmach-Signal für die leistungsbereite Minderheit unter den autochthonen Deutschen geben. Wir wagen deshalb die Behauptung: Wenn Wohlstand und Sozialstaat in einigen Jahren verfrühstückt sind - und wer will daran ernsthaft zweifeln -, wird ein deutsch-internationaler und kosmopolitischer Bevölkerungskern den Karren aus dem Dreck ziehen. Diese Leute werden hier bleiben und nicht abhauen.
Niedrige Geburtenrate und Frust werden hingegen die Zahl der Deutschen massiv verringern. Denn schon heute hauen viele von ihnen ab. Die einen verprassen ihren erworbenen Wohlstand in Landvillen an der Algarve oder Côte d'Azur, Millionen andere sind von Arbeitslosigkeit bedroht oder schon arbeitslos. Letztere gehen zunächst oft nur ein Häuschen weiter - nach Österreich, in die Schweiz und Niederlande. In Länder mit flexibleren Arbeitsmärkten.
Noch sind es jährlich erst wenige hunderttausend deutsche Auswanderer. Doch die Zahl steigt. Viele gehen, weil der Frust in der Heimat zunimmt, und nicht, weil im Ausland neue Herausforderungen und Aufgaben locken. Blöderweise sind die meisten von ihnen zwischen 18 und 40 Jahre alt, also im besten Renteneinzahlungsalter. Ganz oben in der Wunschliste steht übrigens Neuseeland. Ein deutscher Einwanderungsberater in Wellington bringt deren Gründe schnell auf den Punkt: "Der wirtschaftliche Frust ist der Hauptgrund. Mittelständler fliehen vor dem deutschen Steuersystem, selbst wenn sie dafür ihr Häuschen mit Verlust verkaufen." Die Eintrittsbarriere ist nicht hoch: Wer unter 45 ist, 100.000 neuseeländische Dollar und eine gute Ausbildung vorweisen kann, ist dort willkommen.
Wir stellen fest: Die Deutschen werden immer weniger und verduften stetig. Viele wollen sich dem Druck, für hohen Wohlstand hart zu arbeiten, nicht länger aussetzen. An ihre Stelle rücken Zu- und Einwanderer, die ihrerseits alles tun, um genau diese Latte zu überspringen. Sie nutzen eine anthropologische Grundeinsicht: Wer von unten nach oben will, braucht Mut, Ehrgeiz und einen unbedingten Willen zu Leistung. Wer von oben nach unten muss, verliert genau jenes.
Natürlich klingt es kalt und hart: Wer hier bleiben will, muss Risiko, biographisches Wechselfälle und existenzielle Notlagen zunehmend selbst managen und von der lebenslang nach oben verlaufenden Wohlstandskurve Abschied nehmen. Aber wer hier bleiben will, wird in der Unberechenbarkeit des Lebens auch neue Freiräume für sich entdecken. Das neue Wohlstandsspiel beginnt also wieder von unten: Ärmel aufkrempeln, loslegen, wachsen!








