Advanced Journalism Academy in Sri Lanka
"Wir müssen uns entscheiden, ob wir Teil des Problems sein wollen - oder Teil der Lösung." So fasste eine srilankische Teilnehmerin des jüngsten Programms der Advanced Journalism Academy (AJA) das Dilemma zusammen, in dem viele ihrer KollegInnen stecken. In Sri Lanka herrscht offiziell Frieden, nachdem die militärische Offensive der Regierung im vergangenen Jahr erfolgreich war. Die tiefsitzenden Konflikte zwischen singhalesischer Mehrheit und tamilischer Minderheit sind jedoch keineswegs gelöst.
In dieser Situation lud AJA 15 JournalistInnen zur Produktion von Reportagen ein, in denen es um Konflikttransformation und Soziale Integration geht. Hauptpersonen waren Persönlichkeiten und Organisationen der Zivilgesellschaft, die sich langfristig für sozialen Wandel engagieren. Die Teilnehmer kamen sowohl von Regierungs- als auch von oppositionellen Medien. Wichtig war auch, dass alle ethnischen Gruppen, die am Konflikt beteiligt sind - Tamilen, Singhalesen und Muslime - in der Runde vertreten waren. Von September bis Oktober 2010 gab es Workshops in Colombo.
Erstes Ziel war die Verbesserung der handwerklichen Fähigkeiten: unabhängige Recherche, Interview-Technik, Komposition längerer Reportagen. Trainer waren der Publizist Michael Gleich und Fotograf Paul Hahn, der schon viele Reportagen von Peace Counts fotografiert hat. Aber auch fachliche Inhalte wurden vermittelt, etwa der Unterschied von "negativem Frieden" (die pure Abwesenheit von Krieg) und "positivem Frieden", der auf Demokratie und Menschenrechten beruht.
Am Ende des zweimonatigen Programms war die Mehrheit der TeilnehmerInnen überzeugt: Konstruktiver Journalismus ist ein wichtiges Element demokratischer Meinungsbildung, insbesondere in einem Postkonflikt-Land wie Sri Lanka. Konkretes Ergebnis waren rund 20 Medienproduktionen, mit Themen wie "Heilung von Kriegstraumata", "Hilfe für beinamputierte Minenopfer und ex-Kämpfer" und "Integration von Slumbewohnern in Colombo". Örtlicher Partner des Programms war die unabhängige TV Produktionsfirma Young Asia TV, finanziert wurde es mit Geldern des Projekts "zivik", Institut für Auslandsbeziehungen.











